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Kapelle St. Dionysius

Das Waldorfer Gotteshaus

 

Text aus „Et Dörfblädche“, 1996 von Andreas Leuther

 

Ein Teil der Waldorfer Geschichte ist, wie auch andernorts, die Kirchengeschichte. Etwas über Waldorf herauszufinden ist gar nicht so einfach, da es sich bei Waldorf um die Filialgemeinde der Pfarrei St. Agatha Alendorf/Waldorf handelt. Daher ist besondere Vorsicht geboten, damit die Geschichte von Alendorf und die von Waldorf nicht miteinander vermischt werden. Aber wenn es sich um bauliche Maßnahmen oder sonstige Veränderungen in oder an der Waldorfer Kapelle handelt, sind die Aussagen darüber eindeutig.

Da der letzte größere Umbau unserer Kapelle nun 25 Jahre zurückliegt, nehmen wir dies zum Anlass, einmal den "Werdegang" unserer Kapelle zu durchleuchten. Es ist natürlich unmöglich, jede einzelne Neuerung zu schildern, da sehr häufig Kleinigkeiten verändert wurden. Weiterhin wurden viele Umgestaltungen überhaupt nicht schriftlich festgehalten, sodass es nicht möglich ist, darüber zu berichten. Aber alles, was uns bekannt ist und wichtig erscheint, haben wir hier zusammengetragen.

Das Waldorfer Gotteshaus verdiente sich seine erste Erwähnung durch eine bauliche Veränderung, urkundlich erwähnt im Jahre 1494 durch eine Stiftung des Grafen von Manderscheid. Hierbei handelt es sich um einen Ofen, der vom Grafen gespendet wurde. Es liegt nahe, dass die Kapelle auch in diesem Zeitraum erbaut worden ist, da der spätgotische Bau auf eine typische Dorfkirche des 15. Jahrhunderts hinweist. Einen weiteren Hinweis, der für das 15. Jahrhundert spricht, erhalten wir durch Pfarrer Werner im Jahre 1936. Er beschreibt, dass bei Malerarbeiten im Chor der Kapelle einige alte Ornamente wie Engel, Lilie und Dionysius zum Vorschein kamen. Diese Verzierungen erinnerten Pfarrer Werner stark an die Ornamente in der alten Pfarrkirche in Alendorf, die 1494 erbaut wurde.

Die Möglichkeit, dass zuvor an derselben Stelle ein Gotteshaus gestanden hat und auch die Wahrscheinlichkeit einer weiteren kirchlichen Einrichtung, einem Kloster, welches häufig durch Erzählungen älterer Mitbürger mit Waldorf in Verbindung gebracht wird, könnte zutreffen. Aber dies sind alles Vermutungen, die durch keinerlei Urkunden oder sonstige Schriftstücke belegbar sind. Vielleicht werden wir in dieser Richtung einmal fündig.

Doch zurück zur Kapelle. Keine Spekulation ist, dass der Kirchturm einmal viergeschossig war und die Kapelle von Anbeginn die Größe besaß wie vor 1968. Diese Rückschlüsse kann man aus der Bauweise des Gotteshauses ziehen.

Was in den nächsten Jahrhunderten alles noch erweitert oder verbessert wurde, entzieht sich unserer Kenntnis. Außer, dass die drei Holzaltäre aus dem 17. Jahrhundert stammen, und das Turmportal sowie die Fenster auf der Südseite, also Richtung "Komme Jass", im 19. Jahrhundert erneuert wurden.

Erst in diesem Jahrhundert erhalten wir, im Hinblick auf die baulichen Maßnahmen unserer Kapelle, Hilfe durch die Kirchenchronik. Am 28. September1923 schreibt der damalige Pfarrer Wammers wörtlich: „Wegen des Sonntagsgottesdienstes musste mehr Platz in der Kapelle geschaffen werden. Deshalb wurden die beiden Seitenaltäre an den alten Platz gestellt. Dann wurde der Hauptaltar um eine Stufe erhöht, so dass auch die Feier des Gottesdienstes von allen Anwesenden gesehen wird. Das Innere der Kapelle hat dadurch an Raum und auch an Gestaltungsmöglichkeit gewonnen. Bei der Arbeit am Marienaltar fand sich ein Brettchen mit der Jahreszahl 1823; 1923 wurde eingeritzt, um späteren Nachkommen kundzutun, dass am 23. September1923 die jetzige Änderung vorgenommen worden ist. Letztere war lange geplant und muss als gelungen bezeichnet werden. 28.IX.1923 gezeichnet Wammers Pfarrer". Die Opferbereitschaft, die die Leute damals hatten, ist heute wohl kaum nachzuvollziehen. Die Inflation strapaziert zur damaligen Zeit jeden Geldbeutel gehörig, und trotzdem ist man bereit. jede mögliche Verbesserung durchzuführen.

Unter Pfarrer Havenith in den Jahren 1932-1934 werden Arbeiten an der Außenanlage der Kapelle durchgeführt. Die Kirchhofsmauer unter der Linde in Richtung "Tommes Jade" wird errichtet und das Gelände bis zur Mauer aufgefüllt, die Linde steht zum damaligen Zeitpunkt am Fuße der Böschung. Dadurch vergrößert sich nicht nur der Friedhof, sondern er erhält auch einen sauberen Abschluss. Des weiteren werden an beiden Längsseiten der Kapelle je drei Stützpfeiler angebracht, da das Gotteshaus auseinanderzubrechen droht. Heute existiert nur noch einer dieser Stützpfeiler, auf der Südseite gegenüber der Sakristei gelegen. Das Dach wird mit Schiefer neu eingedeckt. Leider existieren über diese Baumaßnahmen nur sehr wenige oder überhaupt keine Dokumente, so dass wir auf Berichte einiger Zeitzeugen zurückgreifen mussten.

Pfarrer Werner, seit 1935 Pfarrer in Alendorf/Waldorf, macht hingegen sehr detaillierte Aufzeichnungen über die einzelnen Veränderungen. So schreibt er im Jahre 1935: ,, Auch erhielt Waldorf eine Schiestl Krippe (Schiestl = Heinz Schiestl, Bildhauer, der katholische Kirchen in volkstümlicher und schlichter Weise ausstattete), sodass im Kapellchen ebenfalls eine Krippe errichtet werden konnte. Es seien an dieser Stelle die besonderen Wohltäter der Kapelle genannt, Herr Lehrer a. D. Mathias Crump und Fräulein Maria Agnes Dubbelfeld, beide aus Köln."  Die Krippe wird von Andreas Leuther erstellt und aufgebaut, während Frl. Dubbelfeld und Herr Crump sich um die Figuren bemühen.

Im Jahre 1936 wird wiederum "geklotzt und nicht gekleckert". Am 21. Januar1936 wird mit der äußeren Restaurierung des Gotteshauses begonnen. „Waldorfer Jünglinge" verlegen im Außenbereich Drainageröhren. Das Innere der Kapelle ist in einem sehr schlechten Zustand. Ganze Rippen an dem Gewölbe müssen neu angebracht werden. Der Schlussstein im Chor über dem Hauptaltar, der übrigens das Wappen der Grafen von Manderscheid trägt, sitzt so locker, dass eine kleine Erschütterung genügt hätte, und er wäre wohl heruntergefallen. Zwischenzeitlich besichtigen einige Herren der Denkmalpflege die Restaurierungsarbeiten. Eine vorgesehene Vertäfelung entfällt wegen schlechter Erfahrungen mit anderen Gebäuden. Ende April schließt Michael Müller vorerst die Arbeiten ab, indem er die Wände mit Schutzmittel gegen Feuchtigkeit streicht. Die Wände trocknen bis zum Herbst, und am 26.Oktober1936 beginnt der Kirchenmaler Held mit der Ausmalung der Kapelle. Hierbei zeigen sich auch die anfangs beschriebenen Ornamente und gleichzeitig werden die elektrischen Leitungen unter Putz gelegt. Des weiteren werden angeschafft: neue Rahmen für den Kreuzweg, neue Konsolen für zwei Plastiken, die beiden Nebenaltäre erhalten neue Altarplatten. Die Krönung des Hauptaltars, die auf dem Speicher Hilger steht und vor langer Zeit entfernt worden war, wird zur Freude der älteren Dorfbewohner wieder angebracht. Am 8. November 1936 sind die Ausmalungsarbeiten beendet. Ursprünglich sollen auch die Altäre erneuert werden, aber die Denkmalpflege äußert Bedenken, dass diese nicht ordnungsgemäß hergestellt würden. Somit wird nur die Figur des HL. Dionysius hergerichtet.

Im Jahre 1937 stiftet der Herr Lehrer Mathias Crump ein Harmonium, und die Kapelle erhält eine neue Ehrentafel mit den Namen der Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Karl Bierther aus Alendorf schnitzt diese einfache schlichte Eichentafel. Hiernach wird es ruhig, was die Umgestaltung der Kapelle betrifft. Der Zweite Weltkrieg und die schlechte Nachkriegszeit tragen wohl dazu bei. Die Leute haben mit anderen Problemen zu kämpfen.

 

Erst im Jahre 1952 taucht unser Gotteshaus wieder in der Kirchenchronik auf. Unter dem damaligen Pfarrer Timberg wird der Kirchhof nun mit einer neuen Mauer in Richtung des Hauses "Pittische" eingefasst. Weiterhin erhält der Friedhof durch ein breites Tor einen zweiten Zugang, der von Fahrzeugen passiert werden kann. Im Jahre 1954 wird die Friedhofsmauer an der Straßenfront komplett neu aufgebaut. Pfarrer Timberg schreibt hierzu folgendes: ,,Die Mittel hierfür stammen aus der laufenden Rechnung bzw. müssen zum Teil von der kommenden Kirchenrechnung aufgewandt werden, da die freiwilligen Spenden für den geplanten Bau einer Sakristei und die Erweiterung der Kapelle dienen sollen."

Im Jahre 1955 wird eine elektrische Heizung angebracht, da der Ofen furchtbar qualmt und jeden Besuch zur heiligen Messe zur Tortur werden lässt. Die Kosten in Höhe von 1500 DM werden aus freiwilligen Spenden beglichen. Der Mädchenchor, der in Waldorf bisher nur Choral sang, ist durch den Beitritt einiger Männer zum vierstimmigen Chor erweitert worden. Diesem stellt Lehrer Mathias Crump zum Proben sein Harmonium in der Waldorfer Schule zur Verfügung. Dieses Instrument soll nach seinem Tode Eigentum der Kapelle werden. Allerdings stellt er die Bedingung, dass die Kapelle durch eine anständige Isolierung trocken genug und erweitert wird. Kurz darauf wird eine Empore aus Holz im Turm errichtet. Die Empore, in Waldorf nur "Ducksaal" genannt, lindert ein wenig den Platzmangel, der zur damaligen Zeit in der Kirche herrscht, da seit Dezember 1951 erneut an Sonn- und Feiertagen das hl. Messopfer auch in Waldorf abgehalten wird. Es kommt häufig genug vor, dass viele Besucher der Messe vor der Tür bleiben müssen, da die Kapelle überfüllt ist.

1968 gelingt es unter Pfarrer Bertram, eine Sakristei auf der Nordseite des Gotteshauses in Richtung des Hauses "Pittische" anzubauen. Seit vielen Jahren ist dies versucht worden, jedoch immer wieder ohne Erfolg.

In den Jahren 1970/71 ist es dann endlich soweit. Die Kapelle wird in großem Stil umgebaut. Im April 1970 trifft die Erlaubnis der bischöflichen Behörde aus Aachen ein, nachdem die Finanzierung des Umbaues gesichert ist. Finanziert wird das Projekt wie folgt: Bistum Zuschuss 110.000 DM, Waldorfer Eigenleistung 35.000 DM, Zuschuss der Denkmalpflege 15.000 DM. Pfarrer Bertram schreibt hierzu: ,,Nun ist es soweit, die Baugenehmigung ist erteilt. Nach den Plänen von Architekt Werner Geyer aus Mechernich sollen 2 Seitenschiffe angebaut werden von 4 Meter Breite. Das Gewölbe im alten Schiff soll erhalten bleiben. Der Herrgott möge seinen Segen dazu geben. Zu seiner Ehre geschieht ja alles. Damit eine würdige und genügend geräumige Stätte geschaffen wird für das eucharistische Opfer."

Genau wie Pfarrer Bertram die Pläne des Architekten Geyer beschreibt, so setzt sie die Baufirma Keul aus Alendorf in die Tat um. An Nord- und Südseite werden die Seitenschiffe angebaut und das alte Mauerwerk zum Neubau hin durchbrochen. Die Sicherungsarbeiten am Gewölbe der Kapelle sind sehr umfangreich, um einer möglichen Einsturzgefahr vorzubeugen. Jedoch verläuft alles ohne jeglichen Zwischenfall. Das Gotteshaus erhält neben einer neuen Beleuchtung und einem neuen Außenputz auch einen frischen Anstrich. Einen zusätzlichen Zugang bekommt die Kapelle im Seitenschiff der Südseite, in der Nähe des Haupteinganges. Von dem in Waldorf wohnhaften Künstler Schuffenhauer werden neue Fenster erstellt, und in die Seitenschiffe eingesetzt, die alten verbliebenen erneuert. Im Inneren der Kapelle wird der bisherige Hochaltar als Sakramentsaltar vorgesehen und ein Opfertisch vor dem Chorbogen errichtet. Des weiteren werden die alten Fußbodenplatten aus der Kapelle zwischen Straße und Eingang und entlang der Kapelle zum Kirchhof verlegt. Der Rat der Gemeinde Blankenheim stellt die erforderlichen 35 Festmeter Fichtenstammholz im Werte von ca. 5000 DM kostenlos zur Verfügung und lässt auch den Vorplatz an der Kirchturmseite kostenfrei pflastern. Nach nur knapp 18 Monaten wird sogar mehr als der erforderliche Betrag in Höhe von 35.000 DM von der damals 260 Einwohner zählenden Gemeinde aufgebracht. Nicht nur durch zahlreiche Geldspenden und Eigenleistungen, sondern auch durch andere Aktivitäten wie die des Musikvereins wird das dringend benötigte Geld aufgetrieben. Der damals 32 Musikanten zählende Verein veranstaltet einen Pfarrabend im Jahre 1971 im Saale des Hauses Hildwein. Der Abend wird ein voller Erfolg, denn die Besucher werden nicht nur mit musikalischen Leckerbissen unterhalten, zusätzlich haben die Musikanten eine Tombola auf die Beine gestellt. Schon Wochen vorher waren mit viel Eifer über 450 Preise zusammengetragen worden. Der Reinerlös an diesem Abend beträgt 5.500 DM. Während die Baumaßnahmen durchgeführt werden, hält Pfarrer Bertram die heilige Messe im Bürgerhaus ab. Die Leute nehmen diese provisorische Einrichtung gerne in Kauf. Am 24. Oktober 1971 um 10 Uhr ist es dann soweit. Zum ersten Mal wird das heilige Messopfer in der erweiterten Kapelle gefeiert.

Eine zusätzliche Neuerung erfährt das Waldorfer Gotteshaus im Jahre 1987: zu der Glocke „ges" aus dem 19. Jahrhundert von Christian Claren aus Sieglar gesellt sich nun eine Glocke in ,,es". Umbaumaßnahmen innerhalb des Glockenturmes sind hierzu notwendig, da gleichzeitig ein elektrisches Glockengeläut installiert wird. Des weiteren wird die alte Glocke nach den Richtlinien der Denkmalpflege erneuert. Die Kosten in Höhe von 20.000 DM werden getragen von der Freiwilligen Feuerwehr Waldorf, der Kirchengemeinde und weiteren Spendern. Am 28. März 1987 wird die neue Glocke im Beisein der Löschgruppe Waldorf in der Glockengießerei Mark in Brockscheid gegossen. Am 10. Mai wird sie in einem feierlichen Umzug durch den Ort geführt. Alle Vereine des Dorfes entsenden hierzu eine Abordnung. Die Glocke wird bei herrlichem Wetter zur alten Schule geführt, auf deren Vorplatz dann der Lob und Weihegottesdienst stattfindet.
Nun befinden sich wiederum zwei Glocken im Kirchturm, rund 70 Jahre, nachdem man im Ersten Weltkrieg eine zur Herstellung von Kanonen nach Kall brachte und sie dort einschmolz.

 
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