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Von Arente bis Wolleß

Von der Entstehung der Waldorfer Hausnamen
Text aus „Et Dörfblädche“, 2000 von Andreas Leuther


Die Hausnamen, die in unserem Dorf früher vergeben wurden, lassen sich irgendwie begründen und werden nicht wie in der heutigen Zeit eher wahllos getroffen. Ein sehr wichtiger Punkt hierbei ist die Aussprache. Kann man den Hausnamen sehr flüssig in Waltrewwer Platt über die Lippen bringen, und ist er zudem sehr kurz, so wird er häufig von den Bürgern Waldorfs angenommen. Daher werden sich Hausnamen aus der jüngsten Vergangenheit, wie „Kukucksness“, „Petersburch" oder gar ,Öwweschdörfer Wedderstatiun" bestimmt nicht durchsetzen. Diese sind zwar witzig, haben aber keine Chance, im Sprachgebrauch Fuß zu fassen. Die Hausnamen, die sich durchgesetzt haben, kann man in verschiedene Kategorien einteilen.

In diesem Artikel alle Hausnamen aufzuführen, würde den Rahmen sprengen. Daher beschränken wir uns nur auf Beispiele und nehmen am Ende des Artikels drei Häuser unter die Lupe. Anhand der meisten Hausnamen lässt sich sogar das Alter des Hauses bestimmen. Obwohl der Ausdruck Haus hier fehl am Platze ist, besser denkt man hierbei wohl an Siedlungspunkte, da die meisten Häuser in den letzten dreihundert Jahren, die wir zurückverfolgen können, meist komplett abgebrochen wurden und an den gleichen Stellen neu aufgebaut wurden. Ein Beispiel hierfür ist das Haus ,Helliesch". Oberhalb der Tür befindet sich die Jahreszahl 1875, während nachzuweisen ist, das schon um 1740 hier ein Haus mit womöglich dem gleichen Grundriss gestanden hat.

Wir werden natürlich alle Häuser in Waldorf bis zu ihrer Erbauung zurückverfolgen, wenn uns dies möglich ist. Für einige der Unterlagen, die wir hierfür benötigen, bedanken wir uns auf diesem Wege bei Bernd Michels aus Hüngersdorf, der uns diese zur Verfügung gestellt hat. Nun aber zu den Hausnamen. Als erstes die Häuser, die ihren Namen der Gemarkung zu verdanken haben, auf der sie stehen, oder in deren Nähe sie liegen, wie z. B. „Holle“, „Komme“ oder „Reinesch“. Als zweites, Hausnamen, die sich auf Besonderheiten der Baustelle oder der Erbauer beziehen, wie etwa „Bou“, „Rasch“ oder „Schull“. Drittens, Hausnamen, die sich auf den Beruf des Erbauers stützen, wie z. B. „Schnegger“ (Schneider) oder auch „Schomeschesch“ (Schuhmacher). Viertens, Hausnamen, die sich auf die Lage von Besonderheiten in der Nähe der Häuser beziehen, wie z.B. „Op dem Reisch“ (Auf dem Hügel), „A Weiher“ (Nähe zum damaligen Brandweiher) oder auch „Pötz“ (Nähe zu einem Pütz oder auch Wasserstelle). Die vorgenannten Kategorien haben den Nachteil, dass sie uns keinerlei direkte Hinweise auf den Erbauer geben. Allerdings handelt es sich hierbei, außer einigen wenigen Ausnahmen, um Häuser neueren Datums (zwanzigstes Jahrhundert), sodass wir deren Erbauer problemlos ermitteln können.

Die Häuser älteren Datums lassen sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, in zwei Arten aufteilen. Die eine bezieht sich auf den Vornamen des Erbauers oder der Erbauerin, die andere auf den Nachnamen. Bei den Vornamen, wie z. B. „Heinres“ (Heinrich) oder „Wellems“ (Wilhelm) scheint dies im ersten Moment einfach, da dies auch im heutigen Sprachgebrauch noch üblich ist. Etwas mehr Phantasie braucht man bei „Helliesch“ (Hilger oder Hilarius), da diese Namen heutzutage kaum noch vergeben werden, oder aber „Jennesjes“ von Johannes. Der Name Johannes ist zwar heute noch geläufig, wird aber in der jetzigen Zeit durch Häns, Hanni oder auch Scheng ersetzt.

Die Hausnamen sind mit den Nachnamen der damaligen Zeit fast identisch. Die Hausnamen werden eben nur so geschrieben, wie sie auf Waltrewwer Platt ausgesprochen werden. Hier einige Beispiele, Hecke - Hecken, Hane - Hanen, Jasse - Gassen, Waans - Wahsems, Schneggesch - Schneider, Meiesch - Meier. Schrüedisch - Schröder, Wolleß - Wolff. Wobei zu letzterem Hausnamen zu bemerken ist, dass es auch heute noch Waldorfer gibt, die nicht Wolleß, sondern Wollefs als Hausname benutzen. Die letzten drei genannten Häuser wollen wir in diesem Artikel einmal genau durchleuchten. Warum wir uns gerade für diese drei entschieden haben, ist einfach zu erklären. Diese drei Häuser lassen sich relativ leicht durch die letzten drei Jahrhunderte zurückverfolgen, sie wurden geradlinig vererbt, sodass es nicht nötig ist, weitschweifige Erklärungen abzugeben. Bei anderen Gebäuden ist es häufig der Fall, dass Neffen, Nichten oder noch weitläufigere Verwandtschaft das Haus erbte. Einige wurden auch verkauft, was seltener der Fall war, aber schon vorkam. Wie vor ca. 150 Jahren, als einige Waldorfer Familien aus den Häusern „Jasse", „Arente" und „Schäwisch" nach Nordamerika auswanderten.

Aus datenschutzrechtlichen Gründen lassen wir sämtliche persönlichen Daten aus dem zwanzigsten Jahrhundert weg und nehmen uns das jüngste der drei vorher genannten Häuser, das Haus „Meiesch“ vor. Im Jahre 1844 heiratete Leonard Meier, geb. 1807 in Benenberg, damals wohnhaft in Roder, Christine Hermes, geb. 1818 in Waldorf, aus dem Hause ,,Jasse". Eine Landkarte, die einige Jahre vor der Hochzeit erstellt wurde, zeigt, dass das Haus ,,Meiesch“ damals noch nicht stand, die Eltern von Christine Hermes aber genau an dieser Stelle ein Grundstück besaßen. Somit liegt nahe, dass Haus ,,Meiesch“ von Leonard und Christine Meier um 1845 erbaut wurde. Hiernach heiratete die Tochter von Leonard und Christine Meier, eine gewisse Anna Helena Meyer, geb. 1846, Jakob Hansen, geb. 1842, aus Alendorf. Deren Sohn Arnold Hansen, geb. 1882, heiratete Gertrud Mathei, geb. 1884, aus Freilingen. Deren Tochter Maria Hansen, die bis vor kurzem im Haus ,,Meiesch" wohnte, heiratete Peter Mattes aus Ahrmühle.

Nun zum Hause Schrüedisch“. Der Name Schröder taucht erstmals im Taufbuch im Jahre 1667 auf. Also ein sehr alter Name, bedenkt man, dass das Taufbuch bis ca. 1650 zurückreicht, und zur damaligen Zeit sehr lückenhaft geführt wurde. Um 1672 wurde Peter Schröder geboren, Sohn von Johann Schröder. Peter Schröder heiratete um 1707 Gertrud Stappen aus Alendorf. Deren Tochter Gertrud, geb. 1710, heiratete Heinrich Stein aus Esch. Der Sohn der beiden vorher Genannten, Peter Stein, geb. 1733, heiratete zweimal zuerst im Jahre 1757 Christine Reifferscheid, geb. 1736 auf dem Leuteratherhof, gest. 1768 in Waldorf. In zweiter Ehe Agnes Vietoris aus Alendorf, die 1818 verstarb. Johann Peter Stein, geb. 1762, Sohn aus erster Ehe, übernahm wohl nach dem Tode seines Vaters das Haus Schrüedisch" und heiratete im Jahre 1788 Anna Schneider aus dem Hause “Schneggesch" Die Tochter von Johann Peter und Anna Stein, Gertrud Stein, geb. 1790, heiratete im Jahre 1808 Johann Vogelsberg, geb. 1781. aus dem Hause ,Tommes". Das Haus Tommes" wurde vor ca. 150 Jahren abgerissen. Es befand sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hause „Schrüedisch". Begeht man den Feldweg zwischen den Häusern „Schull" und „Schrüedisch", so kommt man unterhalb des Kirchhofs an der Kapelle vorbei. Das Haus „Tommes“ stand auf der linken Seite in Verlängerung der Kirchhofsmauer. Nach dem Tod von Johann und Gertrud Vogelsberg heiratete deren Sohn Michael Vogelsberg, geb. 1823, im Jahre 1856 die Witwe Barbara Freuen, geb. 1829, gebürtig aus dem Hause Waans". Die Tochter Katharina Vogelsberg, geb. 1865, heiratete 1896 den Eisenbahner Josef Knauff, geb. 1870, aus Esch. Hiernach heiratete die Tochter Anna Knauff den Schmied Jakob Pint aus Mürlenbach. Nach dem Tod von Anna heiratete Jakob Pint seine Schwägerin Katharina Knauff. Aus der zweiten Ehe hervorgegangen, übernahm der Sohn Bernhard Pint das Zepter im Hause ,,Schrüedisch“ und heiratete Irmgard Becker aus Reipeldingen in der Nähe von Daleiden.

Auch das Haus Wolleß" verdankt seine erste Erwähnung dem Taufbuch. Johannes Wollfs, geb. ca. 1672, Sohn von Reinhard und Katharina Wollfs, heiratete im Jahre 1703 Gertrud Vogelsberg aus dem Hause ..Tommes". Deren ältester Sohn, der ebenfalls Johannes hieß und 1703 geboren wurde, heiratete im Jahre 1727 eine Margarete Steins aus Ripsdorf. Die Tochter der eben genannten, eine Elisabeth Wolffs, geb. 1729 heiratete 1764 Johann Linden aus Schüller. Nach dem Tod von Elisabeth heiratete Johann Linden im Jahre 1774 ein zweites Mal, eine Gertrud Cremers aus Schönfeld. Der älteste Sohn aus erster Ehe hieß ebenfalls Johann, geboren 1765. Er heiratete im Jahre 1792 eine Gertrud Stein, geb. 1765, aus dem Hause ,Schrüedisch". Nachdem wir nun vier mal den Vornamen Johannes oder Johann als Familienoberhaupt benennen konnten, kam nun ein Josef an die Reihe. Josef Linden war der Sohn der Vorgenannten, geb. 1801, heiratete er im Jahre 1825 eine Anna Schnichels aus Ripsdorf. Deren Sohn Egidius Linden, geb. 1837, heiratete Elisabeth Hütter aus Schmidtheim. Hiernach folgte als Familienoberhaupt Peter Linden, der sich mit Amalie Oeliger aus Dollendorf vermählte. Deren Tochter Elisabeth Linden heiratete Peter Zimmers aus Dahlem. Vor ca. 20 Jahren, kurz vor dem Tod von Peter Zimmers, zogen die Eheleute in das Haus ,,Neu Wolleß". Seitdem ist das Haus „Wolleß“ vermietet. Alle Häuser Waldorfs werden, wie die vorher genannten drei, auf ihren Ursprung hin geprüft. Die Ergebnisse werden in einem Ortsarchiv festgehalten, welches der Bürgerverein verwaltet.

 
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